Montag, 29. August 2016

9. Tag Rifugio Alta Via - Ventimiglia (280m auf / 840m ab)

So heute ist Schluss mit lustig und die letzten 14km hinab nach Ventimiglia stehen an. Frühstück gibt es nur für uns 4 Dresdner, zwar hat die Wirtin auch für die Zelter mit gedeckt, doch scheint ihnen heute nicht nach unserer Gesellschaft. Auch gut, waren eh etwas anstrengend. Frühstück gibt es - wie schon das Abendessen - im Garten vor dem Rifugio. Hütte (Rifugio) ist eh eine unpassende Bezeichnung für das typisch mediterrane Landhaus inmitten der Weinberge. Die Wirtin hat sich halt auf die verschwitzte Wanderkundschaft spezialisiert und fischt so die ankommenden aus den Bergen ab und bietet 3 Zimmer zur Übernachtung an. Von Juli bis September mangels Alternative sicher kein schlechtes Geschäft.
Aber so schön es auch war, wir müssen weiter. Ein letztes Mal teile ich euch mit, dass es wieder keiner geschafft hat, nach uns zu starten. Unverständlich, dass es alle so eilig haben, die Wanderung hinter sich zu bringen.  Beim Wandern halten wir es halt so, wie mit der Arbeit, es macht Spaß, also verbringen wir die beste Zeit des Tages damit *lol*
Also starten wir und zwar nicht wieder den steilen Hang hinauf, sondern gleich dem Sträßchen durch die Weinberge folgend. Trauben, Brombeeren in bester Rumtopfquslität und sogar Feigen wachsen hier am Wegrand und versüßen uns den Weg. Doch leider müssen wir bald die Straße verlassen und folgen dem Weg. Unter einem schattigen Baum treffen wir Roselind und Jürgen wieder, danach geht es heftig bergauf. Offensichtlich hat ein Erdrutsch im weichen Sedimentgestein den querlaufenden Weg unpassierbar gemacht. Kein Lüftchen weht und 100m Aufstieg reichen aus, um an unseren Rücken kleine Rinnsale entstehen zu lassen. Ein widerliches Klima, dass eigentlich nur den Aufenthalt am Pool erlaubt. Solcher Luxus ist aber den Bewohnern der schicken Villen auf den Kuppen der Hügel vorbehalten, an denen wir jetzt immer wieder vorbei ziehen. Schon eine schicke Gegend, wenn man nicht bei gut 30 Grad und demsigen Klima zu Fuß durch die Gegend stapft.
Ein letzten Hügel durchquert die Küstenautobahn 200m unter uns im Tunnel und dann stehen wir direkt über Ventimiglia und dem Mittelmeer. Am westlichen Ende der Küste sind bereits die Hochhäuser von Monte Carlo zu erkennen, noch immer befinden wir uns in Nähe der französischen Grenze. Das kleine Sträßlein, dem wir zuletzt gefolgt waren, endet in einem Villenviertel und mündet schließlich in einen Pfad, der uns in Serpentinen nach unten führt. Leider auch direkt vorm Meer noch kein Lüftchen und so verlangt uns der Abstieg durch den steilen mit Macchia bewachsenen Trockenhang nochmal alles ab. 15min später erreichen wir die ersten Häuser von Ventimiglia. Eine Überführung bringt uns über die Bahn und plötzlich stehen wir im Trubel einer italienischen Küstenstadt. Autos, Fußgänger und zwei verschwitzte Wanderer, die nur so schnell wie möglich unter die Dusche möchten. Also laufen wir ohne Stopp direkt zum Kiesstrand. Die obligatorischen Fotos werden gemacht und dann biegen wir ab in Richtung unseres gestern auserwählten Hotels Seagull am Rande der Strandpromenade und vor der Altstadt. Kurz nach 13 Uhr checken wir ein.
Der erste Weg führt uns direkt unter die Dusche. Die letzte Wegstrecke hat nun wahrlich keinen hohen Spaßfaktor mehr bereit, doch schieben wir das mal auf das schwülwarme Klima und hoffen, dass es mit einem kühlenden Lüftchen deutlich angenehmer wird. Also lasst euch nicht abschrecken :)
Wieder zivilisiert, kommt sofort der kleine Hunger. Bei dem Klima hatten wir nicht noch Lust auf Picknick. Direkt gegenüber nehmen wir gleich das erste  Lokal und bekommen auch kurz vor 2 noch einen Platz zugeteilt, keine Selbstverständlichkeit in Italien mit seinen starren Essensrhythmen und um 14 Uhr ist eigentlich schon wieder Schluß mit Mittag. Aber nun sitzen wie im "Pasta e Basta" und stellen fest, dass wir per Zufall gleich in der TripAdvisor Nr. 1 gelandet sind, keine schlechte Wahl also. Wie der Name vermuten lässt, dominiert Pasta die Speisekarte oder besser gesagt, es gibt nichts anderes. Wer denkt, die Auswahl würde dadurch leichter, hat sich angesichts von über 30 Soßen und 10 Pastasorten getäuscht. Für mich gibt es Pasta integrale alla boscaiola also Vollkornnudeln mit Steinpilzen und Speck, eine sehr gute Wahl. Die Portionen sind riesig, steht auch schon draußen dran, hatten wir aber beim reingehen nicht gelesen. So ist leider kein Platz mehr für ein Dessert, ein Café muss reichen. So genudelt, verziehen wir uns erstmal wieder ins Hotel.
16:30 Uhr dann Zeit für den Rundgang durch die schöne Altstadt. 3 Kirchlein werden besichtigt und ich verkoste die lokale Eisproduktion. 18 Uhr treffen wir Roselind und Jürgen in der Stadt und sagen gleich das eigentlich angedachte Abendessen ab.  Also verabschieden wir uns gleich. Für die beiden geht es morgen nach Nizza und von dort mit dem Flieger zurück. Vielleicht trifft man sich ja in Dresden nochmal.
Im Alimentari schnappen wir uns noch zwei Bier und verbringen, den Abend auf unserem Balkon und blicken zurück auf eine schöne Zeit und viele tolle Erlebnisse.
Klimawandel in Rügen - Kreidefelsen

Ventimiglia von oben

Der letzte Kilometer 

Kathedrale
aufgegessen und genudelt ;) 

Am Ziel

Sonntag, 28. August 2016

7. Tag Colla Melosa - Gola di Gouta (800m auf / 1.010m ab)

Gestern hatte ich ja bereits geschrieben, dass wir nunmehr der Alta Via della Monte Liguri (AVML) folgen. Hierzu noch kurz eine Erklärung. Die "offizielle" GTA steigt vom Rifugio Don Barbera über Carnino nach Viozene (1.245m) ab und endet damit im nirgendwo an der piemontesisch/ligurischen Grenze. Die GTA ist halt von der Region Piemont eingerichtet und muss damit auch dort enden. Für die Begeher in Nord-Süd-Richtung hst es sich daher eingebürgert, die Tour auf dem AVML in Richtung Ventimiglia fortzusetzen. Das Mittelmeer ist schon ein reizvolleres Ziel für so eine Unternehmung.
Wir wachen nach langem Schlaf auf und DoDo beschließt wieder fit zu sein. Also geht es zum Frühstück und wir plaudern noch kurz mit den Wegbegleitern aus Dresden und stehen - natürlich wieder als letzte - abmarschbereit vor unserer Herberge. Es geht Richtung Meer also heute wieder mehr Abstieg als Aufstieg.
Nach einer halben Stunde auf der Schotterpiste zweigen wir auf die Alpini-Steige ab, die spektakulär durch den Fels ziehen. Am Abzweig folgen wir nicht der Empfehlung des Führers und steigen hinauf Passo della Valetta (1.909m) und queren auf die westliche Schattenseite. Auf die Gipfelabstecher zum Monte Pietravecchia und dem steilen Felsendom des Monte Torragio verzichten wir heute und umschlängeln die Felsen auf kühnem Pfad. Erstmals seit Start der Tour ziehen wieder vereinzelte Wolken über die Berge. Die fantastische Fernsicht gen Norden haben wir nicht mehr und blicken in den Dunst des Küstenstreifens, der uns das Meer nur erahnen lässt.
So ganz ohne Abstecher stehen wir bereits um halb 4 vor dem Rifugio Passo Gouta, unserem heutigen Ziel. Es bleibt noch Zeit für Kaffee und ein Gläschen Saft. Nach und nach versammeln sich die Bekanntschaften der letzten Tage auf der Terrasse. Sowohl die Österreicher, die schon seit 8 Wochen unterwegs sind als auch die beiden Dresdner. Dazu gesellr sich noch ein Aussteigerpärchen aus Berlin, die mit gewaltigen Rucksäcken und Zelt durch die Gegend ziehen.
Abendessen war dann ok, aber nicht erwähnenswert. Die Nacht verbringen wir in 7er Lager mit den Ösis. Roselind und Jürgen (die beiden Dresdner) haben Glück und erhalten das andere 7er Quartier allein. Gut geschlafen haben wir nicht wirklich. DoDo's Erkältung ist noch nicht gabz weg, also wurde die ganze Nacht geschnieft und noch viel schlimmer... bei mir geht's jetzt auch etwas los.
Marschverpflegung


noch 40km auf der AVML



unterwegs auf den Alpini-Steigen

Rifugio Gouta di Gola

Freitag, 26. August 2016

6. Tag Monesi di Triora - Rifugio Allavena (700m auf / 1.240m ab)

Der Tag startet super, es gibt Schinken zum Frühstück. Mal was anderes als Weißbrot mit Marmelade. Pünktlich um 9 steht dann der Jeep vor der Tür, wir schaffen es gerade noch die Vorräte im Alimentari mit Käse und Tomaten aufzufüllen. Dann starten der entspannte Aufstieg zum Monte Saccarello. Die letzten Meter sind auch mit dem Jeep nicht ohne, aber unser Fahrer kennt die optimale Route und bringt uns heil hinauf. Den "Offroad" SUV ala Tiguan bleibt vom Parkplatz am Ende der Schotterpiste nur der Weg zu Fuß. Anstatt in 3h haben wir den "Aufstieg" in 35min geschafft, nicht schlecht ;)
Die letzten Meter hinauf zum Redentore einer überlebensgroßen Christusstatue auf dem Monte Saccarello (2.185m) müssen wir dann doch selbst gehen. Wie steht es im Führer so schön... er vermittelt eine heile Welt und blickt doch über dem Verfall preisgegebene Bergdörfer zum Meer. Letzteres können wir aufgrund des Dunstschleiers der Küste wieder in nur erahnen. Schon der Übergang zum Hauptgipfel macht uns deutlich, dass Jeepfahren deutlich weniger schweißtreibend ist als die Fortbewegung per Pedes. Von hier oben haben wir einen wunderbaren Rückblick auf unseren Gratweg mit seinen Gipfelaufbauten von gestern.
Kaum oben, folgt auch schon der Abstieg. Zunächst über in Kehren steile Wiesen, dann durch Nadelwald 600m hinab zum Passo Collardente. Von dort wechseln sich Forstweg und Waldpfad ab und wir queren am Hang den Talkessel hinüber zur Caserma di Marta, mal wieder einer Kasernenruine unter dem gleichnamigen Gipfel. Dort ist erstmal Rast und zum Picknick wirft sich DoDo gleich noch eine Tablette ein, wenn das mal gut geht.
Dann folgen wir der Militärstraße hinab mit Blick auf einen schönen Stausee. Dann zweigt der Steig zum Colle di Melosa ab und bringt uns direkt zu unserem Quartier. Im Abstieg treffe ich dann noch ein berucksacktes Pärchen, wie sich herausstellt zwei Dresdner unterwegs auf der GTA. Die Welt kann so klein sein ;)
Während wir im Freisitz unsere GTA-Erfahrungen austauschen, liegt DoDo bereits im Bett und erholt sich hoffentlich gut.

Zum Abendessen hat sich das Aufstehen dann gelohnt. Antipasti, selbstgemachte Kräuternudeln und als Hauptgang dann Kaninchen und Ziege. Alles sehr lecker. Wenn das DoDo nicht wieder fit macht, nimmt es ein schlimmes Ende :)


Unser Taxi

Il Retendore

Schluss mit GTA. Auf dem AVML geht es zum Meer. 

Monte Sacarello mit Blick zum gestrigen Gratweg

alles meins ;) 

Leckerlies 

5. Tag Rif. Don Barbera - Monesi di Triora (890m auf / 1.650m ab)

Heute gab es nur ein spartansisches Hüttenfrühstück mit Brot, Butter und Marmelade. Mal schauen wie lange wir damit durchhalten. Zumindest ging es schnell, so dass es wieder 9:00 Uhr losgehen konnte. Was man bei uns halt so schnell nennt ;)
Also wieder hoch zur Schotterpiste und nach 100m den Pfad hinauf zum Kamm. Die Sonne strahlt wieder in voller Pracht und ich bin froh, meinen bei der Tour durch Kreta erworbenen Hut dabei zu haben. Der sieht zwar bescheuert aus,  hilft aber ungemein gegen einen Sonnenkoller. Die Cima de Perteque umgehen wir westlich und genießen die wunderbare Sicht ins französische Tende-Tal. Am Pass treffen wir nochmals auf den Fahrweg, der den Gipfel im weiten Bogen auf der östlichen Seite umgangen hat. Dann folgt der Pfad direkt dem Grat hinauf zur Cima di Velega (2.382m) und nach einem weiteren Abstieg dann zur Cima Bertrand (2.484m), den höchsten Punkt bis zum Meer. Im steilen Abstieg durch Schroffengelände verliert sich der Weg und wir müssen uns konzentrieren, die Steinmännchen zu entdecken, die uns jetzt den Weg weisen. 200m tiefer im Sattel der Colle Rossa wird der Weg wieder deutlicher und steigt nun abermals an. Den Abstecher hinauf zum letzten Gipfel der Kette (Cima Missun) nehme ich allein. DoDo macht die Wärme und die prasselnde Sonne am Grat doch arg zu schaffen. Nach 4 1/2 Stunden erreichen wir dann den Passo Tanarello auf gut 2.000m Höhe.
Gegenüber am Monte Sacarello blinkt das Rifugio San Remo in der Sonne. Doch leider findet sich seit Jahren kein Pächter und die Wasserversorgung ist unklar. Also bleibt uns nur der lange Abstieg hinab nach Monesi die Triore. Auf 1.800m treffen wir wieder auf die Schotterpiste, die ebenfalls vom Rifugio Don Barbera kommt und folgen dieser in endlosen Kehren nach unten. Unsere 3l Wasser sind aufgebraucht und die 0,5l Reserve muss ran. Die Schotterpiste geht in Asphalt über und die Häuser von Monesi kommen näher. Kurz vor 4 haben wir die Hitzeschlacht dann gewonnen und stehen vorm Albergo La vecchia partenza (1.364m). Die Zimmer sind freundlich eingerichtet und die jungen Wirtsleute kümmern sich rührig um uns. Sogar ein Waschservice wird angeboten, den wir gerne nutzen und unsere verstaubten Sachen abgeben. Der Ort ist nicht so verlassen, wie die bisherigen Bergdörfer und scheint so leidlich vom Tourismus zu leben. Unsere Wirtsleute scheinen sich auf die allgegenwärtigen Mountainbiker konzentriert zu haben, sicherlich keine schlechte Wahl. Denn Radeln ist für Italiener Volkssport, wogegen Wandern hier den Gästen aus dem Norden und Frankreich vorbehalten bleibt.
Das Abendessen ist reichlich und ok, ein guter Koch könnte das Albergo aber sicher noch aufwerten. DoDo ist arg angeschlagen und verzichten sogar auf den obligatorischen mezzo litro di vino bianco zum Essen. Ob nun Sonnenstich oder Erkältung, da gehen unsere Meinungen auseinander. Auf jeden Fall kein gutes Vorzeichen für die nächsten Tage. Wir entscheiden uns schon mal, die einheimische Wirtschaft zu stärken und ordern für den nächsten Morgen den Shuttleservice hinauf zum Monte Sacarello. Auf 3h Aufstieg auf dem Abstiegsweg von heute können wir gerne verzichten. Beim Abendessen treffen wir noch auf ein österreichisches Seniorenpaar, das die GTA in einem Stück bewältigt hat und schon seit 8 Wochen unterwegs ist. Sehr gesprächig sind sie aber nicht, vielleicht leidet aber auch die Kommunikationsfähigkeit nach 8 Wochen Zweisamkeit.

Cima Missun 

Am Ziel... Albergo La Vecchia Partenza 

Donnerstag, 25. August 2016

4. Tag Limonetto - Rifugio Don Barbera (1.320m auf / 780m ab)

Für heute haben wir uns eine Variante zum Hauptweg vorgenommen, die die lange Militärstraße meidet, der die GTA folgt. Also versuchen wir früh zu starten und stehen nach einem super Frühstück bereits um 9 vor unserer Herberge und marschieren die Alm nach oben in Richtung Tendapass. Der angenehm kühle Schatten weicht schnell der Sonne, die sich langsam über den Kamm erhebt. Doch mit der Sonne werden auch die Murmeltiere wach und pfeiffen sofort Alarm... Zweibeiner im Anmarsch. Als ob wir eine Gefahr wären.
Am Tendapass (1.908m) erreichen wir wieder die französische Grenze und bestaunen die gewaltigen Ruinen des Forte Central, einer ehemaligen französischen Grenzbefestigung. Mittlerweile wissen wir die alten italienisch-französischen Grenzdispute zu schätzen, den wo es Kasernen gab mussten auch Soldaten beschäftigt werden und ihre Wege ausbauen. Davon profitieren wir noch heute. Auf französischer Seite folgen wir dem Gratweg und steigen teilweise steil hinauf zum ersten Gipfel, der Cima Becco Rosso 2.290m. Heute gibt es wieder perfekte Fernsicht, der Monviso ist zwar schon 60km entfernt, dominiert aber noch immer das Panorama und in der Ferne kann man sogar noch die schneebedeckten Gipfel des Gran Paradiso und der Monte Rosa ausmachen. Letztere ist immerhin gut 200km von unserem Standort entfernt, dss hat man nicht alle Tage. Gen Süden wird erstmals das Ende der Berge sichtbar, also muss dort das Mittelmeer sein, doch wirklich sehen, können wir es noch nicht.
Wir folgen nun der Via del Sale über den Grat, diese ist als MTB-Strecke ausgezeichnet. Mir ist schleierhaft, wie man in den teils tiefen Furchen noch treten soll, ohne mit den Pedalen hängen zu bleiben. Das sehen die Radler wohl ebenso und folgen zu Hauf dem Militärweg 100m unter uns. Hier oben weht ein kühles Lüftchen, angenehm in der mediterranen Sonne. Am Passo Perla kreuzen sich dann wieder alle Wege und wir rasten an einem schattigen Fleckchen. Danach weiter im steten auf und ab durch eine beeindruckende Gebirgslandschaft und herrlicher Fernsicht. Einziges Manko... die Wegweiser zum Rifugio zeigen konstant 2h an und das auch schon vor einer Stunde, als wir dachten, wir lägen super in der Zeit. Aber irgendwann erreichen wir den letzten Hügel und stehen direkt vor der Punta Marguareis mit 2.651m die höchste Erhebung der liturgischen Alpen. Die 2,5h für die Besteigung haben wir heute leider nicht mehr, also queren wir hinüber zum Militärweg und folgen diesem kurz zu unserem heutigen Quartier. Das Rifugio Don Barbera (2.070m) ist eine typische Alpenhütte. Große Schlafsäle für 12 Personen, zum Glück werden die Gäste auf alle Räume verteilt und wir müssen nur zu viert darin schlafen. Auch das Abendessen kann mit den kulinarischen Höhepunkten der letzten Tage nicht ganz mithalten, aber für eine Hüttenverpflegung war es wahrlich nicht schlecht und satt geworden sind wir allemal.
Ruinen mit Fernblick

Chillen am Rifugio

Militärwege am Tendapass

Mit Bier und Handy am Rifugio - Heie Welt:)

Dienstag, 23. August 2016

2. Tag Trinita - Palanfre (1.200m auf /910m ab)

 Rifugio l'Arbergh
Erstaunlich, aber wir haben gut geschlafen. Die nicht zu überhörenden Kirchenglocken haben 23:00 Uhr das letzte mal geleutet und selbst die italienischen Betten mit breiter Besucherritze, aber gemeinsamer Zudecke konnten uns nicht daran hintern.
Dass es erst 8 Uhr Frühstück gab, war uns nicht unrecht, so waren wir wenigstens pünktlich. Im Gegensatz zum vorzüglichen Abendmahl war das Frühstück nicht erwähnenswert... gut gelagertes Brot und Marmelade, als Extra einen sauren Yogurt.
Gegen halb 10 ging es dann los. Direkt durch Frankreich zum Mittelmeer wären keine 50km mehr, doch wir bleiben auf italienischer Seite und queren in Richtung Palanfre gen Westen. Zunächst ein Sträßchen den Hang hinauf, dann immer steiler werdend in den Wald. Drahtseilversicherte Stellen machen darauf aufmerksam, wie unangenehm es hier bei Nässe werden kann, doch bei dem strahlenden Sonnenschein heute haben wir keinerlei Probleme. Nach 2h steigen wir aus einem Bachtal steil auf und lassen den Wald unter uns. Über Wiesengelände geht es auf der Gratschneide hinauf zum Colle della Garbella (2.170m). Dort machen bereits die beiden anderen Deutschen Rast, also ziehen wir weiter und erreichen den höchsten Punkt der Tour, picknicken und genießen die Aussicht bis in die Ebene von Cuneo, fast 2.000m unter uns.
So gestärkt, sind wir voller Tatendrang und überlegen, wie wir auf den Monte Garbello 130m über uns kommen könnten. Weder in der Karte, noch im Orux ist ein Weg eingezeichnet, doch oben steht ein kleines Gipfelkreuz, also muss man irgendwie hochkommen. Also folgen wir den Pfadspuren am Grad entlang, die wohl eher von den Gemsen denn von Wanderern stammen. Wir wühlen uns durch Latschenkiefern und irgendwann ist an einer ausgesetzten schuttbedeckten Platte Schluss. Sicher könnte man die noch irgendwie überwinden, doch der Weiterweg sieht nicht besser aus. Auf der anderen Seite des Kessels sehen wir auch den "offiziellen" Pfad auf den Gipfel und so akzeptieren wir notgedrungen, dass es von unserer Seite keinen geeigneten Aufstieg gibt und kehren um. Die Rucksäcke hatten wir kurz nach dem Abzweig zurückgelassen, aber es fand sich wohl kein Freiwilliger, der sie für uns ins Tal schleppen wollte.
Also steil in Serpentinen bergab. Der Weg ist nicht mehr so toll, größtenteils zugewachsen, geht es von buschigem Gras in großblättriges Grünzeug über, um dann durch Himbeersträucher und Erlengebüsch endlich eine Almstraße zu erreichen. Dieser folgen wir nun entpannt nach Palanfre und verzichten sogar meist auf die Abschneider. Schon kurz nach 4 stehen wir dann vorm Rifugio l'Arbergh. Im Gastraum laute Musik und junge Bedienung, passt nicht ganz zur einsamen Gegend, aber was solls. Das Zimmer ist nett und die Dusche funktioniert, was will man mehr. Nur WiFi gibt es wieder nicht, ihr müsst euch also weiter gedulden.
Zum Abendessen gab es eine hervorragende kalte Platte mit verschiedenem Käse, Wurst und Schinken. Danach Nudeln und zum Abschluss ein Dessert, danach noch einen Grappa und der Tag war gelaufen.

Palanfre

3. Tag Palanfre - Limonetto (970m auf / 800m ab)


Erst einmal Entschuldigung, dass die Liveberichterstattung dieses Jahr nicht so gut funktioniert, aber Internet ist hier Mangelware. Bilder gibt es daher erst nach und nach, bin schon froh, dass ich heute wenigstens die Texte hochgeladen bekomme.
Aber zurück zum Thema... Die Wetterprognose für heute und auch die ganze nächste Woche kennt nur dicke Sonnen. Die Regensachen schleppen wir also umsonst mit uns herum...  und das ist auch gut so :) Es gibt keinen Grund zur Eile, also starten wir wie gehabt reichlich nach 9. Der Weg verlässt das kleine Örtchen und zieht gemütlich nach oben. Der alte Buchenwald, der hier zum Lawinenschutz gesetzt wurde, als der Ort noch ganzjährig bewohnt war, spendet uns Schatten, was will das Wandererherz mehr. Bald ist aber Schluss mit Schatten und wir laufen in der prallen Sonne. So kurz vorm Mittelmeer ist es also gut warm und damit die Schweißproduktion auch so richtig auf Hochtouren läuft, geht es nun deutlich steiler nach oben. Kurz über der 2.000m Marke erreichen wir den schön gelegenen Lago degli Alberghi. Eine kurze Rast und der Weg zieht nochmals richtig steil an Drahtseilen durch die Felsflanke hinauf zum Passo di Ciotto Mieu auf 2.251m. Oben treffen wir nochmal unsere beiden Landsleute und picknicken gemeinsam. Heute trennen sich unsere Wege, wir haben bereits in Limonetto unterschiedliche Quartiere und folgen ab morgen jeweils anderen Wegvarianten.
Nach ausgiebiger Rast dann auf zum Abstieg. Im steilen Gelände mit losem Geröll auf dem Weg rächt sich, dass ich  diesmal auf die hohen Bergstiefel verzichtet habe und den bequemen Halbschuhen den Vorzug gab. Aber was solls, mit etwas Vorsicht und einen Gang langsamer kommt man auch zu Tale. Wieder im Almgelände müssen wir uns den Weg mit einer Kuhherde teilen. Die blöden Viecher stehen mitten im Weg und wenn man sie dann endlich bewegt zur Seite zu treten, hinterlassen sie noch einen großen Haufen. Aber schließlich erreichen wir die Alm und folgen dem Fahrweg Richtung Limonetto. Ein Abweig führt uns nochmals kurz bergan zum Tagesziel, dem Berghotel Arrucador direkt im Skigebiet von Limone, dem südlichsten der ganzen Alpen.
3. Wandertag bedeutet 1. Waschtag, also nicht nur uns gesäubert, sondern auch die Kleidung einmal komplett durchgespült und zum Trocknen in die Sonne gehängt. So viel Einsatz macht durstig, also schnell auf die Terrasse und ein lecker Augustiner geordert. Die Biere wurden mit einer großen Schüssel Erdnussflips und Pistazien serviert, die dann im Laufe des Nachmittags komplett den Weg in DoDo's Bauch fanden.
Abendessen gab es zum Glück trotzdem. Das Minihotel (9 Betten) ist für seine Küche hochgelobt und volle 5 Sterne bei TripAdvisor steigern auch unsere Vorfreude. Zurecht, 4 Gänge, die zum Besten zählen, was wir in unseren 6 Jahren auf der GTA bekommen haben und da war ja bekanntlich nicht viel schlechtes dabei :) Also liege ich jetzt mit vollem Bauch im Bett und versuche den Bericht zu tippen, ohne einzuschlafen.
Im Arrucador

Antipasti... Appetit auf nehr
rast am Passo Ciotto di Mieu

Arrucador am nächsten Morgen

1. Tag Entracque - Trinita (250m auf / 30m ab)

Der Start am Nachmittag lässt erahnen, welche Gewalttour wir uns heute auferlegt hatten ;)  Nach einem kurzen Spaziergang durch Entracque ging es 1 1/2h entlang der gemütlichen Forststraße im idyllischen Tal des Bousset-Baches. Dann ein kurzer Anstieg hinauf zum Weiler Trinita und das Tagewerk war vollbracht. 
Durch die immer länger werdende Anreise war uns diese kurze Tour ganz recht. Also standen wie bereits kurz vor 5 in unserem Quartier. Die Tour war zwar kurz, aber bei 25°C kommt man trotzdem ins Schwitzen. Also ab unter die Dusche und dann zum Bier in den gemütlichen Freisitz vor dem Kirchlein und dabei den Blog geschrieben.
Pünktlich italienische Zeit fürs Cena, also 19:30 Uhr Abendessen und dieses war vorzüglich. Zunächst Zuppa di Trotta (Forellensuppe), als Hauptgang dann Kalbsgulasch und zum Schluss, auch wenn wir uns das heute noch nicht verdient hatten, ein leckeres Panna Cotta.
Beim Abendessen haben wir dann noch zwei Deutsche getroffen, die dieses Jahr in Susa gestartet sind und damit schon die dritten Woche in den Beinen haben. Morgen haben wir das gleiche Ziel.
Entspannung in Trinità

Anreise

The same procedure as every year 
Kurz nach 10, ok eher schon halb 11 Start in Dresden. Zwischenstop bei den Schwiegereltern in Reichenbach und dort Schnitzel mit Kartoffeln und Blumenkohl gefasst. Vorher noch ein Disput mit der Schwiegermutter, weil ich unverschämter Weise noch vor dem Essen das Handy vom Schwiegervater updaten wollte. Selbiges klappte durch die antike Android Version nicht wie geplant und so prasselten zwei Sturköpfe aneinander.
Dann weiter gen Süden, kurz nach der Schweizer Grenze setzt der Regen ein und so fahren wir wieder im Grau des Regens hinauf zum San Bernardino. Am Pass sind es im Regen noch 13°C... eine Warnung an uns im nächsten Jahr nicht durch die Schweiz zu touren. In den sechs Jahren hatten wir hier oben nur einmal Sonnenschein. Im Regen hinab und kurz nach Como in unsere bereits im letzten Jahr erfolgreich begutachtete Zwischenunterkunft. Das Ausladen der Koffer erfolgt zeitgleich mit dem Ausladen des Himmels und 20m über den Parkplatz reichen um durchgenässt zu werden. DoDo wartet trocken in der Lobby und hat gute Tipps wie ich hätte besser parken können. Genau der Zuspruch, den man in einem solchen Moment gebrauchen kann. Kurz getrocknet und zum Nachtmahl geeilt, denn was so richtige Wandersleut sind, gibt auch Autofahren einen Bärenhunger.
Gut und lange geschlafen, ging es wieder erst nach 10 weiter gen Süden. Seit 6 Jahren vergleiche ich nun das italienische Mautsystem mit dem geplanten in unserem schönen Lande... das immer noch geplant wird und geplant und geplant. Man fragt sich wirklich manchmal, wie wir es angesichts so viel politischer Entscheidungsfreude zur erfolgreichsten europäischen Volkswirtschaft geschafft haben.
13:30 Uhr endlich am Ziel oder besser am Start in Entracque. Am Parkplatz noch die extra für die weite Reise eingepackten Schnitzelchen aus Reichenbach verspachtelt und wir waren bereit für unsere letzten Etappen der GTA.

Mittwoch, 17. August 2016

Es geht wieder los

So, ihr Lieben, dieses Jahr ist es soweit. Wir starten zur letzten Etappe unserer GTA und werden, zumindest wenn alles planmäßig läuft, das Mittelmeer bei Ventimiglia erreichen.

Der schon seit Beginn der Tour vor 6 Jahren andauernde körperliche Verfall, hat uns auch in diesem Jahr zweifeln lassen, ob wir den Strapazen einer Trekkingtour durchs Gebirge noch gewachsen sind. Also hat DoDo zu brachialen Testmethoden gegriffen und uns letzte Woche die 50km-Runde um Krasna Lipa antreten lassen.

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=tcponfntaakusioz

Das Gejammer auf den letzten 10km hier wiederzugeben, würde den Blog sprengen. Aber man sehe und staune, wir haben es geschafft.

Gut 11h nach dem Start wieder im Zielbereich. Lecker böhmische Rauchwurst und Bier gab es natürlich auch.
So vorbereitet und mental gestärkt werden wir am Samstag gen Italien aufbrechen und euch ab Sonntag wieder an unseren Erlebnissen teilhaben lassen, so das Netz es zulässt.

Ab Mitte September sammeln wir dann Urlaubsanregungen für nächstes Jahr. 6 Jahre ohne große Überlegungen, was man so im Haupturlaub anzustellen gedenkt, haben ein Ende... und nein, wir wollen nicht wieder zurücklaufen.


Mittwoch, 2. September 2015

11. Tag Rückreise nach Pontebernardo

Unsere Rückreise ist diesmal verhältnismäßig einfach. Letztlich haben wir durch die Quertraverse das Valle Stura bzw. dessen Seitentäler nicht verlassen. So müssen wir nicht mal hinab in die Ebene.
Der Bus nach San Borgo di Dalmazzo fährt um 10:20 Uhr. Erstaunlich dass nun sogar die verworrenen italienischen Busfahrpläne - jedes Tal wir von einer anderen Betreibergesellschaft angefahren - per Routenplanung über Google Maps verfügbar sind. Das entspannt die Sache ungemein, vor allem steigert es die Chancen an der Haltestelle der richtigen Busgesellschaft zu stehen.
Im hübschen Borgo dann 1,5h Aufenthalt. Genug Zeit für einen Rundgang durchs quirlige centro storico und Cappuccini an der Plaza. Wir sind froh, dass die Innenstädte der italienischen Kleinstädte nicht wie in Deutschlands Osten der Verödung preisgegeben sind. Die Ladenstraßen sind voller kleiner Läden mit allerlei Köstlichkeiten und Krimskrams.
12:25 Uhr geht es mit dem nächsten Bus das Sturatal hinauf. In Vinadio nochmals umsteigen in einen Minibus und die Serpentinen hinauf nach Pontebernardo. Pünktlich halb zwei sind wir da. Viel getan haben wir heute nicht, Hunger haben wir dennoch. Also ab ins schwarze Schaf (Pecora nera) dessen Küche wir noch aus dem letzten Jahr in guter Erinnerung hatten.
Damit haben wir unsere GTA-Wanderung 2015 nun endgültig beendet. Aufgrund der unsicheren Wettervorhersage entscheiden wir uns für zwei Tage Turin. Das stand ja schon seit Jahren auf dem Plan. Danach geht es nochmal für eine Woche in die Weinberge der Langhe.
Sorry, dass es in diesem Jahr mit der Liveberichterstattung nicht so richtig geklappt hat. Zum einen waren wir dieses Jahr weitgehend ohne Netzanbindung und selbst in der Orten gab es kein WiFi. Zum anderen möchte Google die Nutzer zu Google+ drängen und pflegt die
hauseigene Konkurrenz durch die Blogger-App nicht mehr. Für das nächste Jahr schaue ich mich nach Alternativen um. Schließlich möchtet ihr ja miterleben, wie wir unsere Wanderstiefel im Mittelmeer baden.
Bis dahin wünschen wir Euch viel Spaß.



Dienstag, 1. September 2015

10. Tag San Giacomo - Entracque (150m auf / 500m ab)

Ganze 2,5h haben wir heute noch zu gehen, also ist Entspannung angesagt. 8 Uhr Frühstück und dann langsam zusammen gepackt. Erstmals sind wieder dicke Wolken am Himmel und tatsächlich ergießt sich von 9-10 ein kräftiger Schauer über das Tal. Holland und Bayern waren schon unterwegs, wir haben tapfer in unserem Quartier gewartet und sind dann im Trockenen losmarschiert.
Der schmalen Fahrstraße folgend, sind wir nicht traurig darüber, hier zu Fuß unterwegs zu sein. Das Sträßchen ist schon für ein Auto recht eng, bei  Gegenverkehr wird es dann spannend. Aber heute ist kein Wochenende und so kommt uns kein ein Auto entgegen.
Wir erreichen den großen Stausee und besichtigen das Kraftwerksmuseum. Hauptsächlich geht es hier wie bei fast allem in Entracque um den Alpenwolf, der in den Seealpen wieder heimisch ist. Die Schäfer haben sich mit ihren großen weißen Hütehunden, die mit den Schafen aufwachsen und leben ganz gut auf die neuen Nachbarn eingestellt. Für den Menschen selbst soll der Wolf ungefährlich sein. Zumindest gibt es noch keine anderslautenden Berichte. Wie soll man aber auch davon berichten, dass man vom Wolf gefressen wurde. Etwas zur Energieerzeugung per Wasserkraft gibt es freilich auch noch zu sehen.
Danach hinab an den Fuß der Staumauer und durcha Tal nach Entracque. Dort wieder bergauf in den Ort... wer hatte denn heute Anstiege bestellt? Man spürt, dass auch Wandern reine Kopfsache ist. Geht man von einer entspannten Wanderung aus, empfindet man selbst kleinste Anstiege als unmenschliche Zumutung. Aber wir kämpfen uns tapfer durch den schönen Ort aufwärts zu unserem Hotel Trois Etoiles. Schon am Namen hört man die Nähe zu Frankreich. Die Straße über den Pass führt direkt in die Provinz Cote Azur - Nizza.
Wir beziehen unsere Zimmer, machen uns kurz frisch, tauschen die Wanderstiefel gegen die Badeschlappen und begeben uns auf Nahrungssuche. Im Hotel selbst gibt es keinen Mittagstisch. Wir müssen uns also beeilen, denn zwischen 14:00 und 19:00 Uhr ist es in Italien fast unmöglich etwas brauchbares zu Essen aufzutreiben. Wir folgen der Empfehlung der Rezeption und gehen hinauf zum Skigebiet, das jetzt freilich brach liegt. Aber eine nette Bar hat geöffnet und serviert Pizza bzw. Risotto.
Später machen wir noch einen Stadtbummel, besichtigen die Kirche und noch eine Wolfsausstellung im Tourismusbüro. Viel zu spät kapieren wir, dass das Gehege mit dem Beobachtungsturm ein ganzes Stück außerhalb des Städtchens liegt. So haben die echte Wölfe noch ein Jahr Ruhe vor uns.
Also pünktlich zum Abendessen zurück zum Hotel. Besonders hervorzuheben waren das Spargelrisotto und der Nachtisch, eine köstliche Nusstorte mit Zabaione. Danach genießen wir im Freisitz vor dem Haus noch unseren Genepy bzw. Ratafia, lassen die schöne Tour nochmal Revue passieren und planen schon für nächstes Jahr.



9. Tag Rifugio Genova - San Giacomo (490m auf / 1.290m ab)

Heute ist der erste Tag unseres sanften Tourenausklangs. Auf uns wartet der letzte Anstieg der diesjährigen Runde und ein langer Abstieg hinab ins Vallone della Barra. Sicher hätten wir heute auch dwn gesamten  Abstieg nach Entracque geschafft, doch wir wollen uns Zeit nehmen und noch ein paar Kleinigkeiten am Rande des Weges anschauen. Apropos anschauen... beim ersten Blick aus dem Fenster erblicken wir eine im Morgenrot strahlende Argentera, so kann es weitergehen.
Als letzte Gäste verlassen wir nach herzlicher Verabschiedung vom Wirt und einen Lobgesang auf seine Kochkunst um 9 Uhr die Hütte. Wieder den Weg zum Stausee hinunter und in Serpentinen hinauf zum Colle di Finestrelle. Kurz vor dem höchsten Punkt umgeht der Wanderweg einen Felsriegel und zwingt wertvolle Hohenmeter preis zu geben. Eine Pfadspur führt aber auch in die Felsen, also probieren wir unser Glück. Mit abwechslungsreicher Kraxelei erreichen wir ohne Höhenverlust wieder den Weg. Zum Glück haben wir das Klettern noch nicht ganz verlernt, auch wenn hier keine richtige Kletterei gefragt war.
Am Pass (2.463m) haben wir erstmals Blick auf die Gelasgruppe. Hier führen die südlichsten Gletscher der Alpen ihren aussichtslosen Kampf gegen die globale Erwärmung. Nur noch wenige Eisfelder sind sichtbar, der Großteil der Gletschermasse ist bereits von Geröll bedeckt, sogenannte Ghiacco neri (schwarzes Eis).
Nach kurzem Abstieg eine erste Rast am schönen Wiesenhang. Leider sind die Blaubeeren hier aus unerfindlichen Gründen sauer, so dass wir auf Vitazufuhr verzichten. Dann auf dem angehmen Wiesenpfad weiter talwärts bis in die Senke unter dem Rifugio Elena Soria (1.840m). Wir sparen uns den Anstieg zur Hütte, denn unsere Rucksäcke sind noch reichlich gefüllt und heute ist unsere letzte Ganztageswanderung. Also weiter hinab dem Fahrweg zu Hütte folgend. Doch hier ist es vorbei mit dem angenehmen Teil des Wandertages. Grobes, loses Geröll macht das Gehen zu einer Traktur. Mir ist unklar mit welchem Gefährt der Hüttenwirt hier hochkommt und wir nutzen jeden sich bietenden Abschneider. Einer dieser führt hinab zum Flüsschen und einem schönen Platz für unser Picknick.
An der ersten Alm hat der Spuk ein Ende und der Weg wandelt in eine normale Almstraße. Entsprechend entspannt schreiten wir nun talwärts und erreichen bereits um 15:30 Uhr unser Etappenziel,  den Posto Tappa San Giacomo. So bietet sich die Möglichkeit die vielgerühmte Küche schon mal bei Kaffee und Kuchen (Tarta di Mele) zu testen. Die Beschreibungen im Internet scheinen nicht zu viel versprochen zu haben. Mittlerweile hat sich auch eine bayerische Wandergruppe dazugesellt und der Wirt spendiert noch zwei Obstteller.
Der anschließende gemeinsame 10min Ausflug zum ehemaligen königlichen Jagdschloss war nicht sonderlich ergiebig. Das Gelände wird aktuell von einer kirchlichen Einrichtung als Ferienlager genutzt und war verschlossen. Also wieder zurück und sich mit einem Bierchen auf das Abendessen vorbereitet.
Am Abend sitzen wir wieder gemeinsam mit Bucky und Alfred zu Tisch. Es wird unser letzter gemeinsamer Abend. Also diskutieren wir die Probleme der Welt - sind nicht ganz fertig geworden - und tauschen Kontaktdaten aus. Die beiden hatten uns zwar gewarnt, mit ihnen zu wandern, da sich schon etliche Paare danach getrennt hätten. Doch wir sind da zuversichtlich. Das Abendessen selbst war wieder vorzüglich und witziger Weisen gab es heute zum ersten Mal Polenta. Sonst die Hauptspeise der GTA.
Nach dem Essen wollte der Wirt offensichtlich seine Ruhe und lockte uns mit diversen Flaschen einheimischer Alkoholika in den Aufenthaltsraum gegenüber. Außer uns beiden wollten am nächsten Tag aber alle noch weiter wandern und so beschränkte sich das Gelage auf ein Gläschen. Ich kenne Wandergruppen, die nichts vom köstlichen Nass hätten zurückgehen lassen ;)



Montag, 31. August 2015

8. Tag Terme di Valdieri - Rifugio Genua (1310m auf / 660m ab)

Am Morgen erwartete uns eine angenehme Überraschung... das Weißbrot war getoastet. Denn jeden morgen labriges Weißbrot mit Marmelade, das ist der Preis den wir für das mediterranes Alpenerlebnis zahlen müssen. Es könnte einen härter treffen.
Gleich vor unserem Gasthof hat ein Bauernhof seinen Obst- und Gemüsestand aufgebaut. DoDo kann nicht widerstehen und füllt die Vorräte mit Pomodorini und Pfirsichen auf. Wäre heute nicht notig gewesen, denn mit dem Rifugio Morelli Buzzi liegt eine Mittagshütte perfekt in der Mitte der Tour.
Danach geht es am Thermalhotel im imperialen Stil hinab zum Abzweig ins Valle di Larousa. Zunächst führt der Weg in endlosen Serpentinen recht angenehm auf dem königlichen Reitsteig aus dem Tal, dann im Murmeltierrevier die Wiesen hinauf. Durch die Nacht in Terme auf moderater Höhe (1.360m) fühle ich mich heute super und bekomme das oK einem flott vorbei ziehenden italienischen Pärchen zu folgen. So bin ich schon nach gut 2h am Rifugio Morelli Buzzi, genieße die Aussicht zurück auf den beeindruckenden 3000er Monte Matto und warte auf Frauchen. Nach einer knappen Stunde werde ich dann unruhig... so langsam ist DoDo nun doch nicht. Also den Hang hinab entgegen gelaufen, nach 10min treffen wir uns. Mein armer DoDo hatte bei einer Trinkpause die Stöcke vergessen und musste etwas zurück, daher die Verspätung. Nun gemeinsam an der Hütte erstmal Mittagessen. An der Hütte werden Steinböcke mit diversen Köstlichkeiten angelockt und geben ein prima Fotomotiv.
Mit gut gefüllten Bäuchern fallen auch die 200m Meter hinauf zum Colle di Chiapou (2.526m) schwer. Hier oben zweigen die Routen auf den Nordgipfel der Argentera (3.290m) ab. Der höchste Gipfel vor dem Mittelmeer erhebt sich eindrucksvoll zu unserer rechten. Vielleicht kommen wir irgendwann einmal zurück, heute steht zunächst einmal der Abstieg zum Lago del Chiotas auf dem Programm. Der Hang ist unangenehm steil und fordert Konzentration. Im Gegensatz zum Kalk ermöglicht der grobe Schutt des kristallinen Gesteins keine Geröllabfahrten, also steigen wir Schritt für Schritt zu Tale.
Der Damm des Stausee wird gerade repariert und der See ist nur zur Hälfte gefüllt. Das bietet die seltene Gelegenheit den sonst unter der Wasseroberfläche liegenden alten Weg zum Rifugio Genova-Figari zu nehmen. Der Seegrund ist zwar schon ausgetrocknet, es riecht aber noch nach Morast. Gepaart mit der gewaltigen Staumauer gegenüber eine gespenstige Kulisse. Hinauf zum Rifugio müssen wir dann noch einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, um den Zulauf zu überwinden und nach kurzem Gegenanstieg erreichen wir das auf einem Fels über dem Stausee thronende Rifugio. Eine wahre Idylle, in einer Senke äßen Gemsen und vor der Hütte tummelt sich ein Eselchen.
Der Wirt ist sehr nett und teilt uns ein Zweibettzimmer mit Doppelstockbett zu. Auch sonst passt dort alles... ungewöhnlich für eine CAI-Hütte. Das Abendessen war perfekt. Zunächst selbstgemachte Ravioli und Minestrone, dann Salat und vorzügliches Saltim Boca dazu noch Paprikagemüse. Nicht zu vergessen die im Mund sanft zergehende Mouse ou Chocolat als Abschluss.
Müde und satt sinken wir zufrieden in unsere Betten.